Mein Weg aus dem Schmerz

Es begann eher unspektakulär:

Während einer fünfwöchigen Mountainbike-Tour über die Alpen traten links Schmerzen beim Sitzen auf.

Was zunächst harmlos wirkte, entwickelte sich über die Zeit zu einem komplexeren Thema.


Die Diagnose: eine Bandscheibenvorwölbung, die den Ischiasnerv einengte.

Es folgten zwei zähe Jahre mit allem, was man in so einer Situation tut:
Injektionen, Physiotherapie, Osteopathie, gezielte Übungen, Wärme, Kälte – und verschiedene Spezialisten.

Mal wurde es etwas besser, dann wieder schlechter – ohne klare Logik.

Als schließlich ein Kribbeln in den Beinen hinzukam, entschied ich mich für eine Operation.

Danach war nichts mehr wie zuvor.
Die Schmerzen waren stärker, der Nerv deutlich gereizt.
Trotz Reha stellte sich kaum Verbesserung ein.

Ich machte weiter – suchte erneut Spezialisten, probierte weitere Ansätze.
Doch statt besser wurde es zunehmend schlechter.

Meine Gehstrecke schrumpfte schließlich auf etwa 100 Meter.

Ein erster Wendepunkt

Der Aufenthalt in einer Schmerzklinik brachte eine erste Veränderung.

Zum ersten Mal stand nicht mehr nur der Körper im Fokus, sondern vor allem das Nervensystem.

Ich begann zu verstehen:

Mein Körper war strukturell in Ordnung – und dennoch war der Schmerz real.

Die Schmerzen wurden im Gehirn erzeugt – auf Grundlage eines Alarmzustands, der sich verselbständigt hatte.

Mit diesem neuen Verständnis und unterstützenden Maßnahmen veränderte sich erstmals etwas.

Nach vier Wochen konnte ich wieder rund 900 Meter gehen.

Hoffnung kehrte zurück.
Zu Hause stagnierte die Entwicklung allerdings erneut.

Der entscheidende Schritt

Die nachhaltige Veränderung begann leiser.

Ich zog mich konsequent zurück – privat wie beruflich.
Gab mir Zeit.

Und begann, mich intensiv mit dem Zusammenspiel von Gehirn und Körper auseinanderzusetzen.

Zu verstehen, wie mein Nervensystem in diesen dauerhaften Alarmzustand geraten war, veränderte etwas Grundlegendes.

Allein dieses Verständnis brachte erste Entspannung.

Ich durchlief ein Schmerz-Verlern-Programm und wurde gewissermaßen meine erste eigene Klientin.

Schritt für Schritt begann ich, neue Erfahrungen zu machen – körperlich und innerlich. Und traf auch im Außen Entscheidungen, die mich langfristig entlasteten.

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Der Fortschritt kam nicht plötzlich – sondern allmählich.

Ich ließ vieles weg, was Druck oder Unsicherheit erzeugte.
Und wandte mich den Bewegungsformen zu, die Spaß machten und sich dadurch gut anfühlten.

Die Schmerzen wurden weniger.
Bewegung wurde wieder möglich.
Ich konnte wieder schmerzfrei sitzen.

Vor allem wuchs schrittweise etwas, das ich über längere Zeit kaum noch spüren konnte: Vertrauen.
In meinen Körper.
In meine Wahrnehmung.
Und in die Fähigkeit meines Nervensystems, sich zu verändern.

Heute

Nach einigen Monaten war ich tatsächlich wieder belastbar.
Der Alltag wurde wieder normal.
Und ich begann vorsichtig, mit kleinen Wanderungen wieder in die Berge zu gehen.

Nach knapp fünf Jahren ist es mir nun erstmals wieder möglich, den Sommer 2026 aktiv und mit Freude in den Bergen zu verbringen.

Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Schmerz und Veränderungsprozesse grundlegend geprägt.

Daraus ist mein Anliegen entstanden, Menschen in ähnlichen Situationen zu begleiten –

auf ihrem persönlichen Weg zurück in ihr Leben –

mit Vertrauen und innerer Sicherheit.